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Kritik: "Wuthering Hights" - Sturmhöhe

 
sub kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
Emily Brontës einziger Roman wurde bei seinem Erscheinen zunächst kühl aufgenommen, ja fast ignoriert, ehe er sich im Laufe der Zeit zu einem der kanonischen Werke der britischen Literatur des 19. Jahrhunderts entwickelte. Kaum ein Stoff dieser Epoche ist so häufig adaptiert worden – fürs Kino, fürs Fernsehen, in immer neuen Variationen.
 
Die Autorin und Regisseurin Emerald Fennell, bekannt durch PROMISING YOUNG WOMAN und SALTBURN, hat sich nun selbst an den Klassiker gewagt und den Roman eigenständig für die Leinwand bearbeitet. Wie schon viele ihrer Vorgänger konzentriert sie sich dabei ausschließlich auf die erste Hälfte der Vorlage. Alles, was nach Cathys Tod geschieht, bleibt auch hier ausgespart.
 
Zwei Liebende
 
Im Zentrum steht die tragische Beziehung zwischen Cathy und Heathcliff. Cathys Vater nimmt den heimatlosen Jungen bei sich auf, behandelt ihn jedoch grausam. Aus der gemeinsamen Außenseiterrolle heraus wächst zwischen Cathy und Heathcliff zunächst eine innige Freundschaft, die sich über die Jahre in eine leidenschaftliche, obsessive Liebe verwandelt.
 
 
Doch Cathy entscheidet sich gegen Heathcliff: Eine Heirat mit ihm würde ihren gesellschaftlichen Status ruinieren. Stattdessen wählt sie den wohlhabenden Edgar, der ihr Sicherheit bietet, sie emotional jedoch kaum berührt. Heathcliff verlässt Wuthering Heights noch in derselben Nacht. Jahre später kehrt er als reicher Mann zurück – mit unverändertem Begehren und wachsendem Groll. Was folgt, ist keine erfüllte Liebe, sondern eine eskalierende Hassliebe, gespeist aus Kränkung, Stolz und verpassten Chancen.
 
Konsequent in seiner Erzählweise
 
Schon der Roman galt nie als klassische Liebesgeschichte. Zu Brontës Zeiten wirkte er wie eine radikale Gegenbewegung zu den harmonischen Romanzen einer Jane Austen. Heute liest sich diese Beziehung eindeutig als zutiefst toxisch. Genau das erschwert den Zugang zum Film: Sympathische Identifikationsfiguren gibt es kaum. Fast alle Charaktere werden in den Strudel aus Abhängigkeit, Grausamkeit und emotionaler Selbstzerstörung hineingezogen. Besonders das gegenseitige Umkreisen von Cathy und Heathcliff, ihr ständiger Wechsel zwischen völliger Hingabe und offener Verachtung, ist kaum auszuhalten – und gerade deshalb konsequent.
 
Jacob Elordi und Margot Robbie spielen diese Figuren mit beeindruckender Intensität. Ihre Chemie ist unübersehbar, was auch dadurch befeuert wird, dass sich beide während der Dreharbeiten privat näherkamen. Zu Beginn halten Cathy und Heathcliff noch an der Hoffnung fest, dass ein gemeinsames Glück möglich sein könnte. Doch eine Reihe von Entscheidungen – in ihrer Zeit nachvollziehbar, rückblickend fatal – zerstört diese Möglichkeit. Heathcliff kehrt zwar als gemachter Mann zurück, doch da ist es längst zu spät.
 
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Die Grausamkeit obsiegt
 
Statt Liebe dominieren Rache, Demütigung und emotionale Erpressung. Es wird aus Trotz geheiratet, Grausamkeit wird zur Strategie, selbst der eigene Untergang wird billigend in Kauf genommen. Heathcliff und Cathy wirken wie Figuren, die einander verdienen, aber unfähig sind, daraus etwas anderes als Zerstörung entstehen zu lassen. Fennell übersetzt diese Dynamik in eindrucksvolle Bilder: nebelverhangene Landschaften, karge Weiten, ein verrotteter Baum als Sinnbild eines erstarrten Lebens. Die von Charli XCX kuratierte Musik verstärkt die emotionale Wucht.
 
Fazit
 
Fennell wollte, so ihr erklärter Anspruch, „das TITANIC dieser Generation“ schaffen – ein großes, episches Liebesspektakel. Doch genau das verweigert der Stoff. WUTHERING HEIGHTS ist keine romantische Erzählung, sondern das Porträt zweier Liebender, deren Unfähigkeit zur Nähe jede Sympathie untergräbt.
 
 
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