THE ROSES DIS Display Static 160x600 AB

 
nflix news

Kritik: Disclosure Day - Der Tag der Wahrheit

 
sub kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
 
Steven Spielberg auf alten Spuren: Die Existenz von Aliens bestimmt auch seine jüngste Regiearbeit, in der vor allem Emily Blunt brilliert.
 
Whistleblower auf der Flucht
 
Schon zu Beginn seiner Hollywood-Karriere zeigte sich Steven Spielberg fasziniert von der Frage, ob es da draußen, in den Weiten des Universums, vielleicht doch andere Lebewesen gäbe. Die Science-Fiction-Filme „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (1977) und „E.T. - Der Außerirdische“ (1982) zeugen von einer kindlichen Begeisterung für den Glauben an extraterrestrische Intelligenz und stellen die Aliens größtenteils als friedfertige, sogar heilbringende Kreaturen dar. In „Krieg der Welten“ aus dem Jahr 2005, einer Adaption von H.G. Wells‘ berühmtem Roman gleichen Namens, erscheinen die fremden Geschöpfe dann als aggressive Invasoren, gegen die ein von Tom Cruise gespielter Hafenarbeiter seine Familie beschützen muss.
 
Spielbergs jüngster Alien-Streich, der Blockbuster „Disclosure Day - Der Tag der Wahrheit“, startet nun passenderweise rund einen Monat, nachdem die Trump-Administration im Mai 2026 bislang geheime mutmaßliche UFO-Akten freigegeben hat. Anders als das wenig aussagekräftige Material bejaht der auf einer Idee des Regisseurs basierende und von David Koepp verfasste Film die Existenz nichtmenschlicher Wesen mit Nachdruck. Kein Wunder ließ Spielberg in Interviews doch immer wieder verlauten, dass er heute, mehr als früher, daran glaube, dass der Mensch im Kosmos nicht allein sei.
 
Schon der Titel nimmt Bezug auf die sogenannte Disclosure-Bewegung, deren Mitglieder der festen Überzeugung sind, Regierungen, besonders jene der USA, hätten Beweise für außerirdisches Leben und müssten diese Informationen zum Wohl der Allgemeint lückenlos publik machen. Genau diesen Plan verfolgt auch der von Josh O’Connor verkörperte Cybersicherheitsexperte Daniel Kellner, der sich gegen seinen Arbeitergeber WARDEX, eine im Geheimen operierenden Nichtregierungsorganisation, wendet. Deren Ziel ist es, alle Belege für und Aufnahmen von Aliens zu archivieren und unter Verschluss zu halten. Denn die Welt, so Leiter Noah Scanlon (Colin Firth), sei nicht bereit für diese Wahrheit. Mehr noch: Die zivile Ordnung bräche zusammen.
 
 
Weil Daniel die brisanten Daten samt einem mächtigen Objekt aus dem Besitz des Unternehmens entwendet hat, sind ihm und seiner völlig überrumpelten Freundin Jane (Eve Hweson) die Handlanger Scanlons auf den Fersen. Kontakt haben die beiden Flüchtenden zu Hugo Wakefield (Colman Domingo), der eine Gruppe von WARDEX-Deserteuren anführt und offenbar den Bau einer Kulisse überwacht, die für den Tag der Offenbarung von Bedeutung ist.
 
Viele Rädchen greifen ineinander
 
Eine wichtige Rolle spielt außerdem die in Kansas City beheimatete Wettermoderatorin Margaret Fairchild (Emily Blunt), deren Welt eines Morgens komplett aus den Fugen gerät, als ein Roter Kardinal, ein in Nordamerika verbreiteter Singvogel, in ihre Wohnung fliegt und sie anschaut. Anschließend verfügt die Meteorologin über superheldenähnliche Fähigkeiten, kann plötzlich fremde Sprachen sprechen und weiß über intimste Details ihr völlig unbekannter Menschen Bescheid. Im Fernsehstudio gibt sie vor laufender Kamera kurz darauf ein seltsames Kauderwelsch von sich, bevor sie entkräftet zusammenbricht.
 
Im Krankenhaus dann der nächste Geistesblitz: Die Männer vor ihrem Zimmer sind keine FBI-Agenten, sondern WARDEX-Mitarbeiter und stellen eine Bedrohung dar – weshalb Margaret kurzerhand mit ihrem verdutzten Lebensgefährten Jackson (Wyatt Russell) durch den Hinterausgang flieht. Ihr nächstes Ziel: irgendwo in den Norden fahren, denn dort wird sie, so fühlt sie, gebraucht. Vor allem die Dynamik des Paares lässt humorige Momente in den Film einfließen, bis zu dem Augenblick, in dem Jackson von der Bildfläche geschoben wird. Koepps Drehbuch weiß offenbar irgendwann nichts mehr mit ihm anzufangen.
 
01 2026 Universal Pictures02 2026 Universal Pictures03 2026 Universal Pictures04 2026 Universal Pictures
 
Mit all seiner Erfahrung zieht der dreifache Oscar-Preisträger Steven Spielberg seinen Mix aus Verschwörungsthriller, Science-Fiction-Abenteuer und Menschheitsdrama wirkungsvoll auf. Die gut getimten Actionpassagen können sich sehen lassen, treiben den Puls geschickt nach oben, auch wenn es mit der Glaubwürdigkeit manchmal hapert. Spielbergs Stammbildgestalter Janusz Kamiński führt die Kamera mit großer Fertigkeit, schüttelt beispielsweise mehrere mitreißende Plansequenzen, also längere Einstellungen ohne (sichtbaren) Schnitt, aus dem Ärmel. Besonders im Finale sind Dramaturgie und Montage höchst effektiv aufeinander abgestimmt, demonstriert der Regisseur seine Gabe, die Emotionen des Publikums zu lenken, obschon ein Manipulationskniff (Stichwort: Nachrichtensprecherin!) etwas plakativ erscheint.
 
Zum Unterhaltungswert von „Disclosure Day - Der Tag der Wahrheit“ tragen nicht zuletzt die spielfreudigen Darsteller bei. Allen voran Colin Firth, der einen markanten Antagonisten gibt, dessen menschliche Seite hier und da aufblitzt. Besonders hervorheben muss man jedoch Emily Blunt, die die ganze Palette zwischen Komik, Erstaunen, Tatkraft und Ergriffenheit abrufen muss. Allein sprachlich wird die Britin, gerade zu Beginn von Margarets Erkenntnisreise, enorm gefordert.
 
Ist der neue Spielberg also die beste Arbeit des Regisseurs seit rund 20 Jahren, wie einige US-Kritiker in ihren ersten Online-Reaktionen bereits jubelten? Leider nein! Denn einige Schwächen und Verknappungen sind bei aller Kurzweil nicht zu übersehen. Dass die Welt zum Zeitpunkt der Handlung am Rand einer kriegerischen Eskalation steht, fühlt sich behauptet an, spürt man zu wenig. Die großen Fragen im Zentrum – etwa: Was bedeutet die Existenz von Außerirdischen für die Position des Menschen, für seinen Glauben an Gott? – umkreist der Film eher, anstatt sie wirklich zu durchdringen. Im letzten Akt driftet das Geschehen, zumindest temporär, zu sehr ins Kitschige ab. Noch dazu wischt das Finale den fragilen Wahrheitsgehalt von Bildern im Zeitalter der KI arg hastig beiseite. Und: Ist die angedeutete Hoffnung, dass die Enthüllung außerirdischen Lebens uns zum Innehalten, zum Überdenken unserer Konflikte bewegen könnte, vielleicht ein bisschen naiv? Spielberg jedenfalls scheint sich an diesen Gedanken klammern zu wollen.
 
Fazit
 
Mit „Disclosure Day - Der Tag der Wahrheit“ legt Steven Spielberg einen Sommerblockbuster vor, der den Besuch im Kino lohnt. Ein neuer Meilenstein in seinem Werk gelingt dem Hollywood-Altmeister allerdings nicht. Dafür geht der Film zu oberflächlich mit den im Stoff steckenden großen Themen um.
 
 
Unterstütze FantasticMovies.DE: